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01.12.2003 VOR ORT : HAVELLAND : AUF EINEN BLICK
GRAZYNA KRUK: 25 JAHRE AUF DER BÜHNE
Romantik-Abend im Belcanto-Stil

IRENE KRIEGER
BRIESELANG Sie stellte ihren Liederabend unter das Thema "Kennst du das Land ...?", ein Motto der Sehnsucht und ein Motiv der Romantik, mit dem die polnische Sopranistin Grazyna Kruk ihr 25-jähriges Bühnenjubiläum in der katholischen Kirche St. Marien in Brieselang beging.

Leider waren nur etwa 30 Zuhörer gekommen, darunter drei Gesangsschülerinnen und ihre Mutter, Sängerin Irene Schulz-Kruk, die vor zwei Jahren ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum feiern konnte und wie immer zu Auftritten der Tochter aus Polen anreist.

Grazyna Kruk hatte ein großes Programm mit Liedern der Romantik und der Spätromantik zusammengestellt, in dem polnische, deutsche und russische Komponisten zu Wort kamen. Begleitet wurde sie von dem jungen Pianisten Rohland Johannes Dyck, der bedauerlicherweise mit einem E-Piano vorlieb nehmen musste. Er begleitete trotzdem sehr einfühlsam und spielte auch zwischen den Liedern kleine Stücke wie Robert Schumanns Mignon, das fünfte der sechs Kinderstücke von Felix Mendelssohn-Bartholdy, eine Mazurka von Alexander Kopylow, eine von Alexander Skrjabin und auch den Walzer Nr. 15 von Johannes Brahms.

Im ersten Teil sang Grazyna Kruk Lieder mit gleichen Themen wie nach Robert Schumanns Mignon auf dem Piano, Mignons Gesang von Franz Schubert und danach "Znasz li ten kraj ..." vom polnischen Komponisten Stanislaw Moniuszko.

Die Künstlerin singt, obwohl sie in Polen studierte und in Deutschland Gesangsunterricht absolvierte, eher im italienischen Belcantostil, wo die Stimme auch in der Höhe schwingt, dazu verbindet sie ihren Gesang mit opernhafter Darstellung und steigert sich bis zum Hochdramatischen. Besonderen verdienten Beifall erhielt sie dabei mit Sergej Rachmaninows "Erwartung" ("Ich warte voller erwartender Liebe, beende meine Qualen ...") und mit Karol Szymanowskys Lied der Roxana aus seiner Oper "König Roger".

Das Repertoire von Grazyna Kruk umfasst sowohl die Oper als auch die Operette, bei den Liedern überzeugt sie besonders mit den in original polnischer oder russischer Sprache gesungenen großer russischer oder polnischer Komponisten. ID: 144313

 


 

ARTIKEL VOM 02.09. BRIESELANGER GESANGSSCHULE KRUK GAB AM WOCHENENDE EINBLICK IN ZWEI JAHRE KÜNSTLERISCHE ARBEIT
Hohe Kunst am heimischen Couchtisch

 

 


 

WOLFGANG GERTH


BRIESELANG Improvisation war reichlich dabei, und das im besten Sinne. In einem Einfamilienhaus am Rande von Brieselang erklangen am Wochenende Etüden von Vaccai und Concone, Lieder von Beethoven und Schumann, Arien von Rossini und schließlich Ausschnitte aus der "Zauberflöte" und der "Hochzeit des Figaro". Von einem "Verschmelzeffekt geschulter Stimmen" sprach der Berliner Musikpädagoge Professor Rasinski, einige Brieselanger formulierten simpler: "Das ist hohe Kunst am heimischen Couchtisch."

Die aus Polen stammende Sopranistin Grazyna Kruk hatte am Wochenende einmal mehr in ihre Gesangsschule und damit in ihr Wohnzimmer eingeladen. Seit gut zwei Jahren unterrichtet sie hier hauptsächlich Jugendliche, die eines Tages gern auf jenen Brettern stehen möchten, auf denen die Lehrerin in den zurückliegenden 30 Jahren bereits stand - in Berlin, Wien, Osnabrück und Leipzig. An vorangegangenen Musikabenden stellten sich die Schüler noch mit kleinen Liedern vor. Es gab reichlich Beifall, und dennoch konnte der Laie erkennen, wie viel Ausbildung notwendig ist bis klassisches Liedgut auch klassisch vorgetragen werden kann. Dieses Mal kam das Programm schon einem Stück Musikgeschichte gleich. Das Repertoire reichte von italienischen Meistern vergangener Jahrhunderte bis hin zu Mozart, wobei die Fachleute die Stücke aus dem "Figaro" für die jungen Sänger als eine Herausforderung bezeichneten. Die Arie der Gräfin übernahm die Gesangslehrerin selbst, ob dies in den nächsten Jahren noch so sein wird, wird sich zeigen. Extra aus Poznan angereist war der Bariton Michael Korzeniowski. Er sang die Arie des "Wilhelm Tell", das Brieselanger Einfamilienhaus wurde zur Oper.

Wie lange das Wohnzimmer noch gleichzeitig Bühne sein muss, ist jedoch offen. Grazyna Kruk und Freunde aus nah und fern spielen mit dem Gedanken, sich eines der havelländischen Herrenhäuser einmal näher anzusehen. Zu klassischen Singspielen käme dann noch das entsprechende Ambiente hinzu. Doch bis dahin ist es noch weit.
 

 

30.12.2003 VOR ORT : HAVELLAND : AUF EINEN BLICK
GESANGSSTUNDEN WIE MUSKELTRAINING: OPERNSÄNGERIN GRAZYNA KRUK UNTERRICHTET DIE TALENTIERTE NAUENERIN
Wo Stimmen und Stimmung stimmen

MARIE PROTT

BRIESELANG - Konzentriert steht Nadine Croux am Flügel. Sie senkt kurz den Blick, schaut dann wieder in das Gesicht ihrer Gesangslehrerin Grazyna Kruk. Die blonde Frau hebt die Augenbrauen, formt die Lippen zu einem "O". Dazu spielt sie auf den Tasten einen Dreiklang und aus ihrem geöffneten Mund klingt ein Ton, der den ganzen Raum ausfüllt. Nun singt Nadine ihn nach. Ihre Stimme klingt ein wenig heller, aber nicht weniger kräftig als die ihrer Vorsängerin. Immer wieder wiederholt die junge Frau die kurze Tonfolge, bis Grazyna ihr eine neue Silbenkombination zum Üben vorsingt.

Der Beginn einer ganz normalen Gesangsstunde für die 26-jährige Nadine Croux und ihre Lehrerin Grazyna Kruk: "Zunächst sind Muskeltrainingsübungen an der Reihe. So wird die Stimme aufgebaut - wie in einem Fitness-Studio", erklärt Grazyna. Durch die Töne lernen ihre Schüler, die Atemmuskulatur zu kontrollieren, die die Stimmbänder stützt. Diese können so frei schwingen und saubere Töne produzieren.

Klar und sauber sind die Töne, die Nadine Croux singt, längst. Denn die Nauenerin nimmt bereits seit einigen Jahren Gesangsunterricht, seit knapp zwei Jahren bei Grazyna Kruk. Dabei wurde das Talent der sympathischen Grundschullehrerin erst spät entdeckt: "Das ist ganz witzig - ich singe erst seit der elften Klasse", erzählt Nadine lachend. Damals habe sie sich bei einer Klassenfahrt eine Gitarre geschnappt und allein im Zimmer vor sich hingesungen. "Das muss wohl meine Lehrerin Frau Grünert gehört haben, denn sie überredete mich, meinen Gesang weiter schulen zu lassen und zur Musikschule Havelland ins Blaue Haus in Nauen zu gehen." Heute ist ihr Nadine dafür sehr dankbar: "Vielleicht hätte ich mir ohne ihre Hilfe nie ein besonderes Gesangstalent zugetraut."

Doch Nadine habe eine sehr große Stimmskala, ihre Stimme sei leicht beweglich, bestätigt Grazyna Kruk. Sie lässt ihre Schülerin nach dem Warmsingen ein klassisches Stück für weitere Stimmübungen aussuchen. Nadine entscheidet sich für die Micaela aus Carmen - auf der Opernbühne ein sehr starker und doch verletzbarer Charakter. "Durch die hohe Koloratur ihrer Stimme kann Nadine diese dramatischen und mädchenhaften Rollen wunderbar singen", schwärmt Grazyna Kruk, bevor sie sich wieder auf den Klavierschemel setzt und mit großen Gesten ihrer Arme den Gesang von Nadine begleitet. Diese Rollen habe auch sie immer gesungen, erklärt die Gesangslehrerin: "Deshalb ist es leicht, sie Nadine vorzusingen und ihr so die hohen Tonlagen beizubringen." Die im polnischen Wroclaw/Breslau geborene Sängerin stammt aus einer musikalischen Familie, studierte an der Hochschule für Musik in Poznan und der Hochschule für Künste in Berlin. Engagements hatte die lebhafte Künstlerin unter anderem am Schillertheater in Berlin, an der Kammeroper Wien. Seit 1991 arbeitete sie im Ensemble der Oper in Leipzig. Nun zu Hause in Brieselang freue sie sich, unter ihren privaten Musikschülern ein besonderes Talent unterrichten zu dürfen, sagt Grazyna Kruk und schaut zu Nadine herüber. Die junge Frau lächelt verlegen und setzt zu einer weiteren Strophe an.

"Singen ist für mich ganz, ganz wichtig", sagt Nadine, nachdem der letzte Ton verhallt ist. Der Gesang wirke für sie wie ein Ventil, so könne sie Ärger, Frust oder Glücksgefühle herauslassen. Ihre Liebe gehört dabei nicht nur der klassischen Musik, Nadine interpretiert besonders gern Poptitel von Celine Dion, Jennifer Rush und Whitney Houston. "Die Texte ihrer Songs gehen mir sehr nah. Und wenn ich diese Worte nachfühlen kann, dann kann ich sie auch singen", sagt Nadine. Sie holt kurz Luft, wartet auf den Einsatz des Playbacks, das nun aus dem Lautsprecher kommt. Dann beginnt sie, sanft und kraftvoll, Whitney Houstons Titel "I have nothing" zu singen.

Gern hätte Nadine die Musik zu ihrem Beruf gemacht: "Aber meine Eltern wollten, dass ich erst mal etwas Ordentliches lerne." Mittlerweile möchte die Lehramtsanwärterin, die in der Nauener Käthe-Kollwitz-Grundschule Geographie, Mathematik und natürlich Musik unterrichtet, die Arbeit mit den Kindern nicht mehr missen: "Ihnen kann man durch die Musik so viel geben." Hilfreich im Unterricht ist für Nadine auch ihre Violinenausbildung und das Gitarrespiel, welches sie sich selbst beigebracht hat. "Doch beim Gesang, da habe ich die Chance, perfekt zu werden", sagt sie zuversichtlich.

So selbstbewusst klinge Nadine jedoch nicht immer - oft noch traue sie sich zu wenig zu: "Obwohl sie allen Grund dazu hätte", sagt ihre Gesangslehrerin und zwinkert ihr zu. So wurde die junge Frau zum Casting für die ZDF-Show "Deutsche Stimme 2003" eingeladen. "Und das, obwohl ich meine Bewerbungsunterlagen zu spät und nicht den Teilnahmebedingungen entsprechend abgeschickt hatte." Dass sie nach dem Vorsingen nicht in die engere Auswahl kam, stört die angehende Lehrerin nicht: "So kann ich mit der Musik weitermachen, die ich mag und muss mich nicht für irgendeine Fernsehshow verbiegen."

Ihr größter musikalischer Traum wäre es, einmal mit José Carreras im Duett zu singen, sagt Nadine etwas verlegen. Grazyna schlägt begeistert die Hände zusammen: "Ja wirklich? Er ist auch ein toller Sänger und ein bemerkenswerter Mensch." Man spürt, dass hier nicht nur Gesangslehrerin und Schülerin zusammen arbeiten, Grazyna Kruk ist bemüht, guten privaten Kontakt zu ihren Schützlingen zu haben. "Grazyna ist wie eine Freundin für mich", lächelt Nadine.

Neben den Einzel-Gesangsstunden und Stunden im Ensemble mit professioneller Klavierbegleitung erhalten die Schüler von Grazyna auch Theorielektionen. Belohnt wird die harte Stimmarbeit bei Auftritten, die die Lehrerin organisiert.

Für Januar hat sie ein großes Konzert geplant, für das sie noch einen geeigneten Raum mit Bühne sucht. "Ich mag die verzauberten Gesichter des Publikums, wenn wir singen", sagt Nadine voller Vorfreude und stimmt den letzten Übungstitel an: "Summertime", eine jazzige Nummer, zu der das Playback mit Saxophonen und sanftem Piano tönt. Melancholisch, aber nicht traurig, singt Nadine den Titel, in sich selbst versunken, als lebe sie die Melodie.

Weitere Informationen zum Unterricht und zu Auftritten:
graziakruk@gmx.de, 033233/3 61 55. ID: 148884

 

Einweihung der Pfarrer-Gehrmann-Straße am 16.11.2002

In den Zeiten der Wende war es nicht gerade außergewöhnlich, dass Straßen umbenannt wurden. Dass aber eine neue Straße und zudem in Brieselang Nord, dem alten Kern der Gemeinde, eingeweiht und von einem Kardinal gesegnet wird, das ist schon sehr außergewöhnlich. Am 16. November 2002 war es soweit: Aufgrund eines Gemeindevertreterbeschlusses vom Juni 2002 wurde dem Mann, der 1992 erster Ehrenbürger von Brieselang wurde, eine weitere

In Anwesenheit von Kardinal Georg Sterzinsky eröffnete Bürgermeister Ottmar Hinz den feierlichen Festakt im Brieselanger Rathaus, an dem Vertreter der Gemeinde, der katholischen Pfarrgemeinde St. Marien sowie der Thüringer Verwandtschaft, aber auch zahlreiche Wegbegleiter von Heinrich Gehrmann teilnahmen. In diesem Festakt wurde dieser Mann Gottes, der stets mitten im Leben stand, geehrt. Musikalisch von Grazyna Kruk und Manuel Ahrens begleitet, wurden Laudatien von Kardinal Sterzinsky, Frau Dr. Dagmar Vödisch von der evangelischen Kirchengemeinde sowie von Thomas Gehrmann aus Erfurt und Thomas Fuhl aus Falkensee gehalten. Grußworte von der katholischen Partnergemeinde St. Arbogast aus Haslach im Schwarzwald und vom Bürgermeister der Stadt Haslach, Heinz Winkler, wurden von Dorothea Ahrens und Gerhard Schwandt überbracht. Höhepunkt des Festaktes war die feierliche Segnung der Straße in Brieselang Nord durch Kardinal Sterzinsky.


Michael Däumer

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